Don’t worry, be happy!
Wer erinnert sich noch an Bobby McFerrins Ohrenwurm «Don’t worry be happy», der zumindest während meiner Kindheit und Jugend die Radios rauf und runter gespielt wurde? Zwischenzeitlich ist die Glücksforschung ein Bestandteil der positiven Psychologie geworden, um herauszufinden, was es für ein glückliches Leben braucht. Die Forschung von Sonja Lyubomirsky ist dabei besonders erwähnenswert: Sie befragte eineiige Zwillinge, die bei Geburt getrennt wurden und später wieder zusammenfanden, um dadurch den genetischen Einfluss auf das Glücksgefühl ableiten zu können. Die resultierenden Erkenntnisse sind spannend.
Unser Glücksempfinden wird zu 50% durch unsere Genbasis beeinflusst, zu 40% ist es jedoch eine bewusste Entscheidung.
Das generelle Glücksgefühl – sind wir eher optimistisch oder eher pessimistisch – wird, so die Forschungsergebnisse, zu circa 50% durch unsere Gene beeinflusst. Lyubomirsky spricht vom Glücksfixpunkt, der durch Botenstoffe in unserem Gehirn und dem resultierenden Antrieb und dem damit verbundenen Wohlbefinden gesteuert wird. Unser Glücksempfinden hängt ebenfalls von den Lebensumständen ab, wobei sich dieser Einfluss auf circa 10% reduziert, sobald eine generelle Zufriedenheit damit erreicht ist. Lyubomirsky begründet dies damit, dass wir uns an Lebensverbesserungen rasch gewöhnen und der glückmachende Effekt zum Beispiel einer Lohnerhöhung oder eines positiven Erlebnisses rasch verblasst. Damit liegt, so das Fazit, rund 40% des individuellen Glücksempfindens in unseren eigenen Händen: Ob wir ein Ereignis als glücksbringend oder glücksreduzierend erleben, könne durch uns selbst entschieden werden.
Strategien zur Stärkung unseres Glücksgefühls
In ihrem Buch «The How of Happiness» beschreibt Lyubomirsky 12 Strategien, wie wir unser Glücksgefühl stärken können und daraus neue Gewohnheiten entstehen. Persönlichen Favoriten meinerseits sind:
Unnötiges Nachdenken und soziales Vergleichen vermeiden: Je mehr wir uns auf das fokussieren, was wir haben, uns nicht mit scheinbar schöneren, reicheren, besseren Menschen vergleichen, fällt es einfacher, Dankbarkeit und damit «Glücksgefühl» für das eigene Leben zu empfinden. Ein Verzicht auf soziale Medien, kein Blick auf die scheinbar Erfolgreicheren wird zum Beitrag für eigenes Glück.
Unseren Freundeskreis pflegen: Menschen, die uns wohlgesinnt sind, die uns zuhören und an deren Leben wir teilhaben können, tun uns gut. Regelmässige Wiedersehen, ein spontaner Kontakt oder das Teilen von Erlebnissen sollen entsprechend ebenso Platz finden im Alltag wie unsere E-Mails oder drängende Pendenzen.
Vergeben lernen: Halten wir an Ärger und Ressentiment fest, vergiftet die Vergangenheit unsere Gegenwart und wir vergeben uns die Chance auf aktuelles Glück. Vergeben heisst dabei nicht Gutheissen, sondern beschreibt ein Dazulernen, ein Einordnen und ein Loslassen vergangener Emotionen und Ereignisse.
Sorge tragen zu Körper und Geist: Ob Sport, Entspannung, ein spannendes Buch oder Meditation, tun wir etwas, was uns und unserem Körper guttut, fühlen wir uns automatisch positiver und damit glücklicher.
Zufriedenheit anstelle kurzzeitiges Glücksgefühls
Zwischenzeitlich hat sich das Verständnis von Glück weiterentwickelt. Seligman argumentiert in seinem Buch «Flourish», dass Glück ein flüchtiges Gefühl sei und dass Zufriedenheit (auf Englisch «contentment») die passendere Bezeichnung für ein positives Lebensgefühl ist, weil damit ein länger anhaltender, stabiler Zustand von Frieden und Erfüllung beschrieben wird. Unabhängig der Bezeichnung: Auch die neuere Forschung bestätigt, dass Appius Claudius Caecus rund 300 Jahre vor Christi Geburt recht hatte mit seiner Aussage, dass wir selbst der Architekt unseres Lebensglücks sind. Umso wichtiger also, den genetischen Glückspunkt nur als Absprungbasis zu nehmen für noch mehr Lebenszufriedenheit!
Du möchtest dein «Glücksgefühl» verstärken?
Herausfinden, was mir guttut
Ob als Tagebuch, als Wochenkalender oder mit Post-it: Sich zwei, drei Wochen lang notieren, bei welchen Aktivitäten Zufriedenheitsgefühle entstehen, um dann in einem zweiten Schritt solche Aktivitäten bewusster einzuplanen und für ausreichend Glücksmomente zu sorgen.
Herausfinden, wer mir guttut
Auf einem Blatt Papier ein Diagramm mit den Achsen «Qualität» und «Frequenz» malen und notieren, wie häufig und mit welcher Glücksqualität die Menschen um einen herum getroffen werden, um in einem zweiten Schritt zu überlegen, wo es Anpassungen braucht und wie diese möglich gemacht werden.
Mein Wissen zur Glücksforschung erweitern
Sich für eine halbe Stunde Zeit nehmen und die Zusammenfassung (in Englisch) des «How of Happiness»-Buchs von Sonja Lyubomirski anhören
Du möchtest das «Glücksgefühl» deines Teams stärken?
Während Teammeetings «Glücksmomente» teilen
Zu Beginn als Check-in oder während des Meetings (berufliche) Momente der Zufriedenheit und des Flows teilen und gemeinsam reflektieren, was es braucht, damit solche und wie diese häufiger gemacht werden können.
An der psychologischen Sicherheit im Team arbeiten
Kann man so sein, wie man ist, ohne dafür Augenrollen oder Kritik zu ernten, führt das zu mehr Offenheit, gegenseitigem Vertrauen und eben psychologischer Sicherheit. Sich nicht verstellen zu müssen, führt zwar nicht zu einem unmittelbaren Glücksgefühl, aber es schafft die Entspanntheit, um Zufriedenheit wahrnehmen zu können. Und je offener alle miteinander sind, umso mehr weiss man, wer durch was zufrieden ist und kann selbst einen Beitrag leisten. Auf Psych Safety Training finden sich viele einfache Übungen, welche die psychologische Sicherheit eines Teams stärken.